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Käfer |
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Bodengruppen

Haben Sie in letzter Zeit Ausschau nach einem wirklich guten Käfer gehalten? Wenn ja, stellten Sie vermutlich fest, daß perfekte Exemplare äußerst rar geworden sind. Zudem führt eine genauere Prüfung der nicht gerade billigen Top-Angebote meist zu dem Ergebnis, daß es sich - entgegen der Behauptung des Verkäufers während eines zuvor geführten Telefongespräches - doch nur um Flickwerk handelt. Dicke Lack-, Spachtel- und Unterbodenschutzschichten sollen über diesen traurigen Sachverhalt hinwegtäuschen.
Die Zeiten, zu denen man an Wochenenden in beinahe jeder Tageszeitung unter der Rubrik "Gebrauchtwagen VW" gleich mehrere, weitgehend unverrostete Käfer mit zwei Jahren TÜV zum Einheitspreis von EURO 1000,- fand, sind endgültig vorbei.
VW - da weiß man, was man hat, behauptete die Werbung zu Käfers Glanzzeiten. Wenn Sie heute ernsthaft daran interessiert sind, zu wissen, was Sie haben, sollten Sie Ihren persönlichen Wagen selbst aufbauen. Hoffmann-Speedster leistet Ihnen bei dieser in Fachkreisen scherzhaft "Wiederbelebung am Skelett" genannten Arbeit mit einem umfangreichen Reparaturteile-Programm wertvolle Hilfe. Schon nach wenigen Arbeitsstunden werden Sie feststellen, daß damit alles "halb so wild" ist.
1. Die
rechtliche Situation
Die Bodengruppe
eines Käfers ist sein Fahrgestell. In selbigem befinden sich logischerweise
auch die Fahrgestellnummer. So kommt es, daß die Papiere eines Käfers, die ja
bekanntlich auf eine bestimmte Fahrgestellnummer ausgestellt sind, zur
Bodengruppe und keineswegs zum restlichen Käfer gehören. Daraus ergeben sich
folgende Konsequenzen:
Schrauben Sie ein anderes Fahrgestell unter Ihren Käfer, so ist er juristisch gesehen nicht mehr Ihr Käfer. Ab sofort sind die Papiere des "neuen" Fahrgestells für Ihren Wagen zuständig, mit allen Vor- und Nachteilen, die sich daraus ergeben können (siehe auch unsere ausführliche Erklärung "vom 1.10.1971"). Eine Ausnahme kann nur bei der Verwendung eines fabrikneuen Fahrgestells gemacht werden und das steht ja, wie bereits erwähnt, hier nicht zur Debatte. Einige Zulassungsstellen sind auch bereit, sich auf einen "Kuhhandel" einzulassen. Bringt man die Bestätigung eines Karosseriefachbetriebes bei, aus dem hervorgeht, daß die Bodengruppe aus Rostgründen durch ein Gebrauchtteil ersetzt und das Altteil zuverlässig verschrottet wurde, wird die Originalfahrgestellnummer der Gebraucht-Bodenplatte lesbar durchgekreuzt und die Nummer des alten Fahrgestelles darunter eingeschlagen. Das alte Fahrgestell ist damit für immer unbrauchbar. Es kann also nicht wiederaufbereitet werden.
2. Eintragung
Vielleicht sind in Ihrem
Fahrzeugbrief bereits einige technische Änderungen festgehalten, um deren
Eintragung Sie lange kämpfen mussten oder wofür Sie eine Menge bezahlt haben.
Gerade in älteren Fahrzeugbriefen finden sich oft Eintragungen, wie sie heute
unter keinen Umständen mehr vorgenommen würden. Auch in diesem Fall sollten
Sie Wert darauf legen, unter allen Umständen Ihr ureigenes Fahrgestell zu
behalten.
3. Unter
"neuer Flagge"
Genauso gut ist es auch
denkbar, das Fahrgestell eines Altwagens mit interessanten Eintragungen zu
erwerben, um es zu restaurieren und für den eigenen Wagen zu verwenden.
Manchmal findet sich solch eine Rarität in den Kleinanzeigen der einschlägigen
Fachpresse.
Wie den entsprechenden Hinweisen aus dem Hoffmann-Speedster-Katalog entnommen (Hinweise zum Thema 1.10.1971), ist es nicht immer erstrebenswert, ein Fahrzeug neueren Baujahrs zu besitzen. Die Gesetzgebung bietet durch die legale Möglichkeit des Rahmentausches auch eine legale Möglichkeit der freien Wahl des Baujahres. Legen Sie z.B. gesteigerten Wert auf rote Blinker, bestellen Sie sich ein Fahrgestell, dessen Erstzulassung vor dem 1.1.1970 stattfand; wollen Sie sich künftig die jährliche ASU ersparen, wählen Sie ein Fahrzeug, das vor dem 1.7.1969 zugelassen wurde, usw.
Besonders interessante Perspektiven ergeben sich daraus unter anderem für 1303-Fahrer, die zwar nicht auf die Panorama-Windschutzscheibe, liebend gern aber auf das modellbedingte späte Erstzulassungsdatum verzichten wollen. Mit der Bodengruppe eines frühen 1302 steht Ihnen die Möglichkeit offen, einem vor dem 1.10.71 zugelassenen 1303 zu bauen, obwohl der 1303 erst im August 1972 auf den Markt kam.

4. Ein
Fahrwerk nach Ihren persönlichen Vorstellungen
Darüber hinaus
können Sie auch das Fahrverhalten Ihres Käfers durch die Wahl eines bestimmten
Fahrgestells entscheidend beeinflussen.
Freunde extremer Tuning-Maßnahmen greifen am liebsten auf das so genannte Automatic-Fahrgestell zurück. Automatic-Fahrgestelle verfügen über eine
so genannte Schräglenker-Hinterachse, wie man sie von 1302/03-Modellen
kennt, in Verbindung mit einem "kurzen Vorderwagen". Das bedeutet, die
Vorderachse ist drehstabgefedert, verfügt also nicht über Federbeine wie 1302
und 1303. Daraus folgt wiederum, daß sie unter ausnahmslos alle Aufbauten passt, die nicht den 02/03-Baureihen entstammen.
Hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach. Mit einer
Automatic-Bodenplatte optimieren Sie die Straßenlage aller Käfer mit kurzem
Vorderwagen, vom 48er Brezel bis zum 86er Mexikaner.
Irgendwo muss natürlich auch ein kleiner (oder müssen gar zwei kleine) Haken
an der Sache sein. Automatic-Käfer - und nur
sie hatten das begehrte Fahrgestell - wurden von Ende 67 bis 77 in
verhältnismäßig kleinen Stückzahlen gebaut. Dazu kommt das Manko,
daß in den von 67-70 produzierten Böden eine Führung für das Kupplungsseil
fehlt und diese vom Baujahr her besonders interessanten Bodengruppen
entsprechend nachgerüstet werden müssen.
Bei Versorgungsengpässen ist es auch möglich, Fahrgestelle aus Mexiko-Käfern auf Schräglenker umzubauen oder 1302/1303-Böden mit den Rahmenköpfen der kurzen Vorderwagen zu versehen. So entsteht ein neues "Automatic-Fahrgestell".
Vorteil: Die Kupplungsseilführung muss nicht nachträglich eingesetzt werden. Daß die Erstzulassungsdaten bei diesen Fahrgestellen nach dem 1.10.71 liegen, ist nicht weiter schlimm, wenn Sie einen leistungsstarken Motor (wie z.B. Typ-4 oder GTI) einbauen wollen, für den ein Käfer-Abgasgutachten besteht. "Automatic- Fahrgestell" ist jedoch keineswegs ein Zauberwort!
5. Sie
bekommen genau das, was Sie wirklich brauchen.
Auch wenn es sich
eben so anhörte, das Automatic-Fahrgestell ist nicht das allein seligmachende.
Leute, die aus optischen Gründen auf einen
extremen Sturz der Hinterräder
"abfahren", bevorzugen die gute alte Pendelachse. Genau so sehen das
auch manche Freunde des Beschleunigungssports. Ihnen scheinen die massiven
Antriebswellen der Pendelachse erheblich
vertrauenerweckender. Und wer einen 02 oder 03 besitzt, kann mit einem
klassischen Automatic-Fahrgestell rein gar nichts anfangen.
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